Überlegungen zum Design von Websites:
Gibt es ein passendes Design für Alle?

Argumente für personalisiertes Webdesign

Bei Websites und sowie bei Kleidung, gibt es nicht die eine Größe, die allen passt. Menschen mit mittelschwerer oder schwerer geistiger Behinderung, zum Beispiel, können von Designs profitieren, die sich radikal von den Entwürfen für ein allgemeines Publikum unterscheiden. So können für Personen mit eingeschränkter Sehfähigkeit Websites speziell für ihre Bedürfnisse entwickelt werden, mit extra großer Schrift, mit kontrastreicheren, schmaleren Seitenformaten usw. Für Menschen, die taub sind, können begleitende Avatare (animierte Menschen mit Gebärdensprache) hilfreich sein, und die Menschen, die blind sind, können von den vereinfachten Webdesigns profitieren.
Einige Experten für Barrierefreiheit befürworten spezielle Designs für jede Art der Behinderung zu entwickeln. Diese Art von Spezialisierung könnte, wenn sie richtig gemacht wird, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Präferenzen der Nutzer in einer Weise berücksichtigen, die mit „Eine-Größe-passt- Allen“-Designs einfach nicht möglich ist. Einige Experten haben ausgefeilte Methoden zum Speichern von Benutzereinstellungen in Datenbanken erstellt. Andere haben vorgefertigte Templates für jede Hauptkategorie von Behinderung entwickelt. Einige erlauben es Benutzern, Stylesheets “on the fly ” einzuschalten, während sie sich die Webseite ansehen. Einige dieser Techniken sind erfolgreich, andere nicht. In allen Fällen war die Absicht gut, unabhängig vom Ergebnis.
Vielleicht das stärkste Argument für einen personalisierten Design-Ansatz, ist, dass es Web-Inhalte schaffen will, die wirklich für jeden zugänglich sind. Individualisierte Designs versuchen zu erreichen, was ein allgemeines Design kann selten, wenn überhaupt: sie erfüllen alle Bedürfnisse auf ideale Weise, und das nicht nur minimal.

Argumente gegen personalisiertes Webdesign

Trotz der wunderbaren Möglichkeiten der Bewegung für personalisierte Webdesigns, gibt es mehrere Probleme mit diesem Ansatz. Das größte Problem ist, dass personalisierte Designs schwierig zu erstellen und zu pflegen sind. Es erfordert große Vorinvestitionen an Zeit und Mühe, um verschiedene Versionen von Websites für jede der wichtigsten Arten von Behinderungen zu entwerfen. Die folgenden Aspekte sollten berücksichtigt werden:

Diese Fragen erweisen sich als recht heikel, wenn man sie sorgfältig analysiert.

  • Wenn eine Aktualisierung für eine Webseite nötig ist, wird dieses Update dann auf allen seinen verschiedenen Versionen übernommen?
  • Was passiert, wenn eine der Versionen zusätzliche Symbole und Illustrationen für Menschen mit kognitiven Behinderungen hat?
  • Werden diese Symbole und Abbildungen zum gleichen Zeitpunkt, wie der Text aktualisiert werden?
  • Wer entwickelt die Symbole und Abbildungen zu Beginn?
  • Gibt es mehrere Versionen des Textes für verschiedene Lese-Stufen und Fähigkeiten? Wie würde diese aktualisiert werden?

Ein weiteres Problem mit dem personalisierten Design-Ansatz ist, dass er immer noch einige Arten von Behinderungen auslässt. Es ist völlig unpraktisch, zu versuchen, eine Website für jede erdenkliche Art von Behinderung entwerfen. Es gibt einfach zu viele Arten von Behinderungen.

Zudem haben Menschen mit der gleichen Art von Behinderung oft unterschiedliche Präferenzen. Einige Nutzer von Bildschirmlesegeräten schätzen die Navigations-Links oben wie auf dieser Seite. Andere, bevorzugen sie unten an der Seite. Manche Menschen mit schlechtem Sehvermögen bevorzugen schwarzen Hintergrund mit gelb, vergrößertem Text. Andere bevorzugen weißem Hintergrund mit schwarz, vergrößertem Text. Einige Menschen, die taub sind, lesen lieber Text. Andere bevorzugen es, die Gebärdensprache zu sehen. Es ist unmöglich zu sagen, dass irgendeine Design-Version alle Präferenzen irgendeiner Art von Behinderung abdecken könnte.

Fazit

Die Ziele des personalisierten Design-Ansatz sind lobenswert: allen gerecht zu werden. Wenn die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen, kann der Aufwand dieses Ansatzes sich aus der Sicht des Benutzers lohnen. Meist stehen diese zusätzlichen Mittel aber nicht zur Verfügung. Dann ist es einfach praktischer, mit einem einzigen Design eine möglichst breite Palette von Personen zu erreichen. Keiner der Ansätze ist trivial. Beide erfordern eine gut durchdachte Planung, aber der Ein- Design-Ansatz ist die vernünftigste Wahl.

Nur-Text-Versionen von Websites

Einführung

Einer der Mythen der Online-Barrierefreiheit bzw. Zugänglichkeit ist, dass Menschen mit Behinderungen von Nur-Text-Versionen profitieren. Die Wahrheit ist, dass praktisch niemand mit einer Behinderung in irgendeiner Weise von einer Nur-Text-Version profitier. Nur-Text-Versionen sind von einigem Nutzen für Menschen mit langsamen Internet-Verbindungen, aber nicht für Menschen mit Behinderungen (es sei denn, dass sie eine langsame Internet-Verbindungen haben). In fast jedem Fall wäre es besser – in der Regel viel besser – die ursprüngliche Version zu reparieren, als eine alternative Nur-Text-Version zu erstellen.

Warum einige Leute denken, Nur-Text-Websites bedeute bessere Zugänglichkeit

Anfänger sind beim Thema Barrierefreiheit im Netz in der Regel am meisten vertraut mit den Fragen der Zugänglichkeit relevant zur Blindheit. Wenn es um Barrierefreiheit geht, denken sie an Screenreader (Bildschirmlesegeräte) und Alt-Text für Bilder. Sie haben nicht annähernd so viel nachgedacht über Menschen, die taub sind, Menschen mit motorischen Behinderungen oder Menschen mit Anfallsleiden (seizure disorders?), Farbenblindheit, Sehschwäche oder kognitiven Behinderungen. Mit diesem starken Fokus auf Blindheit, ist eine Nur-Text-Version sinnvoll, von der  Benutzer profitieren, die keine Bilder, Grafiken oder Illustrationen brauchen. Dieser Logik folgend können Entwickler mit der Schaffung einer Nur-Text-Version einiges an Mühe (und Geld) sparen, weil es nicht nötig ist, Grafiken einfügen und alt-Text hinzuzufügen. Teile dieser Logik sind wahr. Menschen, die keine Grafiken sehen können, brauchen keine Grafiken. Das Hinzufügen von alt text ist ein zusätzlicher Schritt, der vermieden werden kann, wenn überhaupt keine Grafiken verwendet werden. Andere Teile dieser Logik, treffen jedoch nicht zu.

Diese Fälle sprechen gegen Nur-Text-Versionen von Websites

Einseitige Ausrichtung gegen das gesamte Spektrum der verschiedenen Arten von Behinderung

Das wichtigste Argument gegen Nur-Text-Versionen ist, dass sie nicht erreichen, was sie erreichen sollen. Nur-Text-Versionen unterstützen nur eine Art der Behinderung: Blindheit. Websites mit Nur-Text-Versionen sind Beweise dafür, dass die Website-Designer Barrierefreiheit im Netz nicht verstanden haben. Sie denken, dass sie mit der Nur-Text-Version die Seite barrierefrei erstellt hätten, dabei haben vernachlässigt, auf die Bedürfnisse aller anderen Arten von Behinderung einzugehen.

Die Notwendigkeit von Grafiken und visuellen Darstellungen

Beachten wir Menschen mit Legasthenie oder kognitiven Behinderungen. Wie kann eine Seite voller Text -und nur Text- die Zugänglichkeit für diese Personen erhöhen? Für einige dieser Personen könnten mehr Grafik, mehr Multimedia und mehr CSS-Styling sehr nützlich sein. Eine Nur-Text-Seite ist ziemlich kontraproduktiv für die Fälle und ist für diese Personen weniger zugänglich als die ursprüngliche grafische Version.

“Regular” Websites sind transformierbarer

In gewissem Sinne ist die reguläre Version einer Website, auch wenn sie Grafiken und Styles beinhaltet, bereits eine Nur-Text-Version. Screenreader (Bildschirmlesegeräte) können nur Text lesen, daher ignorieren sie die grafischen und stilistischen Elemente von Web-Inhalten. Screenreader versuchen nicht, die visuelle Information eines Bildes zu interpretieren, sie lesen einfach die Alt-Attribute, das bereits ein “Nur-Text”-Format ist. In den meisten Fällen haben die visuelle Präsentation und CSS-Stile keinerlei Auswirkungen auf die Art und Weise, wie ein Screenreader den Inhalt liest. In anderen Worten, was Screenreader-Nutzer erfahren ist bereits eine Nur-Text-Version der Website. Die Vollversion wurde in eine Nur-Text-Version umgewandelt.
Allerdings gibt es für den durchschnittlichen Verbraucher keine verfügbaren Technologien, die Nur-Text-Versionen in grafische Versionen umzuwandeln, oder geeignete Styles zu erstellen, wo vorher keine existierten. Nur-Text-Versionen lassen nicht leicht in andere Formate umwandeln.

Diskriminierung: Wenn getrennt dann aber Gleich

Ein weiteres wichtiges Argument gegen die Nur-Text-Versionen einer Websitte ist, dass sie eine Art von Internet-Diskriminierung darstellen. Durch die vermeintlichen getrennten Versionen, die nie gleich sind, ähnlich wie bei Klassenräumen mit Rassentrennung, sind nach Fähigkeiten getrennte Webseiten selten gleich.
Selten nehmen sich Designer die Zeit und Mühe, die erforderlich ist, um Nur-Text-Versionen ebenso nützlich und robust wie die regulären Versionen zu machen. Oft werden wichtige Informationen ganz weggelassen. Auf der psychologischen Ebene senden die Nur-Text-Versionen eine Nachricht an Menschen mit Behinderungen:

„Sie können nicht zur Haustür eintreten. Probieren Sie stattdessen bitte die Hintertür.“

Menschen mit bestimmten Behinderungen erhalten so einen Status zweiter Klasse, ist zwar nicht die Absicht von Nur-Text-Versionen, aber dennoch ist es manchmal das Ergebnis.

Falsches Gefühl der Sicherheit

Ein drittes Problem ist, dass Nur-Text-Wbsites den Entwicklern ein falsches Gefühl der Sicherheit geben können. Sie denken vielleicht, dass sie mit ihren Nur-Text-Version, Verpflichtungen in Punkto Zugänglichkeit erfüllt haben. Sie bedenken aber nicht, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, wie Untertitel für ihre Videos, notwendige zusätzliche Illustrationen zur Hauptversion, oder sogar fehlender Alt-Text für Bilder. Barrierefreiheit ist nicht etwas, das ein für alle Mal mit der Umsetzung der einen Lösung gelöst werden könnte. Barrierefreiheit erfordert eine sorgfältige Planung und ständige Überprüfung. Die vermeintliche Lösung des Problems kann Entwickler einlullen, so dass sie denken, sich nicht weiter für die Barrierefreiheit der Webseite kümmern zu müssen.

Schwer zu pflegen

Auf einer praktischen Ebene können Nur-Text-Versionen schwierig zu pflegen sein. Weil sie die metaphorische “Hintertür” darstellen, neigen Designer dazu sie zu vernachlässigen. Updates werden nicht immer auf der Nur-Text-Version vorgenommen und dann dauert es nicht lange, bis die Informationen veraltet und ungenau sind. Einige Entwickler haben ausgeklügelte Systeme entwickelt, um sicherzustellen, dass Nur-Text-Versionen stets up-to-date mit den regulären Versionen sind. Einige halten die Inhalte in einer Datenbank und stellen ihn durch verschiedene Vorlagen und / oder Stylesheets zur Verfügung. Andere nutzen die Text-Transcoder von Drittanbietern, um das gleiche Ziel zu erreichen. Mit der Anwendung dieser Art von Systemen, kann zwar die Fragen der Wartung gelöst werden, aber sie lösen nicht die anderen Probleme bei der Verwendung Nur-Text-Versionen.

Wann sollte man das Webdesign in Nur-Text-Versionen verwenden?

Trotz all der Argumente gegen Nur-Text-Seiten, gibt es für Web-Entwickler einige seltene Situationen, die für eine Nur-Text-Lösung sprechen. Vielleicht wäre ein interaktives Multimedia-Element zu schwierig für Bildschirmlesegeräte lesbar zu machen. Ein Nur-Text-Version könnte zu einem Rückschritt werden, wenn sie versucht zu erklären, was das interaktive Multimedia-Element erreichen soll. Erreicht man damit wahre Barrierefreiheit? Kann die  Nur-Text-Version ein komplexes interaktives Multimedia-Element wiedergeben? Nein, natürlich nicht. In diesen Fällen ist jedoch, etwas in der Regel besser als nichts, und eine Nur-Text-Version ist zumindest ein Versuch etwas zur Verfügung zu stellen. Man könnte argumentieren, dass solch ein Multimedia-Element entweder entfernt werden sollte oder so neu gestaltet, dass es Nutzer von Bildschirmlesegeräten zugänglich gemacht wird. Sie haben einen Punkt. Wo möglich, sollten Multimedia direkt zugänglich gemacht werden. Auf der anderen Seite, manchmal sind dies Probleme der Entwickler-Steuerung, z. B., wenn das Multimedia-Element durch eine dritte Partei erstellt wird. Daher ist Vorsicht geboten. Verwenden Sie Nur-Text-Versionen bei Bedarf, um bestimmten Arten von Behinderungen gerecht zu werden – und nur bei Bedarf.

Quelle: Originalartikel auf englisch von webaim.org

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Julian ist Managing Director bei P O M und leidenschaftlicher SEO / Web-Evangelist.
Seine Funktion bei P O M besteht aus der strategischen Online-Marketing Beratung, SEO Konzeption und Key-Account-Management. Google+Xing

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